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«Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.» Francis Picabia

Viktor Frankl oder „Der Wille zählt“

In einer sich immer schneller bewegenden Welt, die noch dazu gefüllt mit absurden franklAnsprüchen und Forderungen an jeden einzelnen ist, scheint es schier unmöglich, mit sich selbst im Reinen und innerlich frei zu sein. Doch genau das hat sich Viktor Frankl zum Ziel gemacht und daraufhin unter anderem    die Existenzanalyse entwickelt.

Der am 26. März 1905 in Wien geborene Viktor Emil Frankl interessierte sich bereits früh für psychologische Themen. Hatte es ihn vor dem zweiten Weltkrieg zur Suizidprävention hingezogen, weckten danach Ideen, die die Grundlage für Logotherapie und Existenzanalyse bildeten, sein Interesse. Bereits zu Lebzeiten war er in          „Das Leben hat einen Sinn        Fachkreisen hochgeschätzt und erhielt zahlreiche                  und behält ihn unter allen      Auszeichnungen.                                                                              Umständen auch im Leiden.“                                                                                                                (Viktor Frankl)                          Viktor Frankl wuchs als eines von drei Kindern in                                                      ärmlichen Verhältnissen auf. Vor allem während des Ersten Weltkriegs musste er die Existenzängste seiner Eltern miterleben. Schon zu Schulzeiten packte ihn die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten, anschließend studierte er Medizin mit Schwerpunkt auf Suizid und Depression. Zu dieser Zeit kam er auch mit Sigmund Freud und Alfred Adler in Kontakt. Nachdem er von 1933 bis 1937 im psychiatrischen Krankenhaus in Wien als Oberarzt tätig gewesen war, wurde ihm 1938 der Umgang mit „arischen“ Patienten untersagt. Daher wechselte er später in das einzige Krankenhaus Wiens, in dem damals noch jüdische Patienten behandelt wurden. In den Jahren 1943/44 fielen sowohl Frankls Eltern, wie auch sein Bruder und seine Frau dem grausamen Massenmord der Nationalsozialisten zum Opfer, was ihn ohne Zweifel schwer zu schaffen machte. Wenig später wurde er jedoch selbst wurde in verschieden Konzentrationslager deportiert. Er überlebte allerdings und obwohl ihm die vergangenen Monate einiges abverlangt und ihn nicht ohne Traumata zurückgelassen hatten, schrieb er anschließend eines seiner berühmtesten Werke: „Trotzdem ja zum Leben sagen“, in dem er seine Erlebnisse der Konzentrationslager verarbeitet. Auch später kehrte er noch einmal an den Ort des Geschehens zurück (siehe Bild oben). Anschließend gründete er 1950 die österreichische Ärztegesellschaft für Psychotherapie, heiratete ein zweites Mal und erhielt zahlreiche Auszeichnungen bzw. Ehrungen. 1997 verstarb er schließlich im Alter von 92 Jahren.

Auf der Basis der Forschungen von Freud und Adler entwickelte Viktor Frankl eine eigene Psychotherapierichtung, die er „Logotherapie und Existenzanalyse“ nannte. „Logos“ bedeutet im Zusammenhang mit der Logotherapie Sinn, der hierbei auf persönlicher Ebene durch verschiedene Techniken gefunden werden soll. Die Existenzanalyse hat ein eigenverantwortliches und selbstgestaltetes Leben als Ziel. Man unterscheidet zwischen der allgemeinen und speziellen Existenzanalyse.  Methoden dieser beiden, meist zusammenhängenden, Therapierichtungen sind beispielsweise paradoxe Intention und Einstellungsmodulation. Die paradoxe Intention mag vielen Patienten auf den ersten Blick merkwürdig vorkommen, da diese sich herbeiwünschen sollen, wovor sie eigentlich Angst haben. Jedoch soll genau dadurch der Teufelskreis der Angst durchbrochen werden. Außerdem konnte bewiesen werden, dass uns unsere Einstellungen und Glaubenssätze grundlegend beeinflussen. Beispielsweise sind Personen, die ständig unter Strom stehen und keine Zeit für Krankheiten haben, auch seltener von diesen betroffen. Dieses Wissen macht sich die Einstellungsmodulation zu Nutzen und versucht den Patienten mit besseren Grundsätzen zu einem zufriedeneren Leben zu verhelfen.                                                                                                                      Beide beruhen vor allem auf drei Grundbausteinen: Der Freiheit des Willens, dem Wille zum Sinn und dem Sinn im Leben.

Das System der „Freiheit des Willens“ sieht den Menschen als entscheidungs- und willensfreies Lebewesen. Das bedeutet, dass jeder sein eigenes Dasein und seine Umwelt innerhalb des jeweiligen Gestaltungsfreiraums selbst modelliert. Jede Person ist daher nicht nur agierend, sondern auch reagierend.

Mit „Wille zum Sinn“ wird dieser Gedankengang fortgesponnen: Der Mensch ist nicht nur frei, sondern möchte eben diese Freiheit auch nutzen, um sich selbst zu verwirklichen. Denn wer den Sinn in seinem Leben nicht findet, wird oft von Wertlosigkeitsgefühlen geplagt. Die Antwort der Logotherapie bzw. Existenzanalyse ist demnach, die Blockaden des Patienten, die den Prozess der Sinnsuche behindern, zu erkennen und zu behandeln.

Beim „Sinn im Leben“ wird vor dem Patienten vor Augen geführt, dass der Sinn oft nicht im eigenem Leben, sondern in der Welt liegt. Daher sollte jeder nicht nur das Bestmögliche für sich selbst, sondern auch für seine Umgebung anstreben. Allerdings ist der Sinn des Lebens individuell und wird daher bei der Therapie persönlich erarbeitet.

Bis heute haben die von Viktor Frankl entwickelten Methoden bereits unzähligen Patienten einen neuen Blick aufs Leben beschert. Ohne Zweifel hat besonders seine Erfahrung mit Depression zu der enormen Wirksamkeit der Logotherapie und Existenzanalyse geführt. So hat er auch bewirkt, dass es im Jahr 1930 erstmals keinen Schüler-Selbstmord gab. Auch heute berichten zahlreiche Opfer der sogenannten Sinnkrise von dem enormen Einfluss, den Viktor Frankl mit seinen Therapiemethoden auch nach seinem Tod bis zum heutigen Tag auf deren Leben hat. Im Endeffekt ist natürlich jeder seines eigenen Glückes Schmied, aber ein Großteil der Menschheit kommt irgendwann in seinem Leben an einen Punkt, an dem er sich die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt. Und wer auch nach längerem Suchen nach der Antwort weiterhin im Dunkeln tappt, dem kann auch heute noch die Existenzanalyse dafür die Augen öffnen.

Annette Stahl, 7B

 

Weiterführende Links:

Viktor Frankl Institut Wien
http://www.viktorfrankl.org/

Viktor Frankl Zentrum Wien
https://www.franklzentrum.org/

4th Viktor Frankl Congress 2018 in Moscow: The Future of Logotherapy
http://logo.inpsycho.ru/konferenczii,-kongressyi-i-simpoziumyi/the-4th-international-congress-the-future-of-logotherapy.html

Susanne Mauthner-Weber: „Frankl hat mein Leben gerettet“ (Kurier, 26.03.2015)
https://kurier.at/leben/frankl-hat-mein-leben-gerettet/121.493.915

Literaturhinweise:

Frankl, Viktor: Trotzdem Ja zum Leben sagen. München: Kösel, 1981.
Frankl, Viktor: Der Wille zum Sinn. Bern: Huber, 2005.

 

Link zum Bild: https://goo.gl/images/M7RmBw

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2018/04/22 von in PionierInnen und getaggt mit , , .

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