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«Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.» Francis Picabia

Bewusstes Problemlösen und Problemlösen mit Bewusstsein

Wie Menschen denken und welche Rolle dabei das Bewusstsein spielt, ist nicht erschöpfend geklärt. Ein besseres Verständnis kann durch die Abgrenzung von der Arbeitsweise von Computern erreicht werden.

Computer arbeiten, indem sie die Algorithmen, die ihnen einprogrammiert sind, ausführen. Algorithmen sind Arbeitsanweisungen, die einem Computer vorschreiben, was er bei einem bestimmten Input zu tun hat. Einfache Algorithmen ermöglichen etwa Taschenrechnern, die Grundrechnungsarten durchzuführen und das schon seit vielen Jahrzehnten schneller als Menschen. Aber auch wesentlich komplexere Aufgaben, etwa Schachspielen, werden mittlerweile von algorithmusgesteuerten Computern besser beherrscht als von Menschen.

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Schachproblem: Computer verstehen Schach nicht

Trotzdem kann leicht an einem Beispiel gezeigt werden, dass Algorithmen zwar Schachweltmeister in die Knie zwingen können, aber nicht in der Lage sind, bestimmte Schachprobleme richtig zu lösen. Ein Beispiel ist hier zu sehen: Weiß ist am Zug. Nach kurzem Nachdenken wird klar, dass die beste Möglichkeit ein belibiger Zug mit König ist, denn so kann ein Remis erzielt werden, was bei der Verteilung der Figuren für Weiß höchst erstrebenswert ist. Die meisten Schachcomputer würden aber anders entscheiden: Da sie nicht erkennen können, dass Schwarz die Mauer aus Bauern nicht durchbrechen kann, würden sie den schwarzen Turm schlagen, und schon wenige Züge später unweigerlich Matt gesetzt werden.

Dem Einwand, dass die Algorithmen eben um genaue Anweisungen für solche Situationen zu erweitern sind, ist zwar aus verschiedenen Gründen nicht leicht Folge zu leisten (derartige Mauern können auf verschiedenste Art und Weise gebildet werden), er ist aber trotzdem durchaus berechtigt: Es wird sicher gelingen, Schachcomputer für solche Situationen passend zu programmieren. Trotzdem sind der Leistungsfähigkeit solcher Programme prinzipielle Grenzen gesetzt.

Diese Grenzen zeigte Kurt Gödel 1931 mit seinen Unvollständigkeitssätzen auf. Mit ihnen bewies er, dass sämtliche Axiomensysteme Aussagen enthalten müssen, die weder bewiesen noch widerlegt werden können. Für Schachcomputer aber auch für das, was allgemein als künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet wird, bedeutet das, dass sie niemals alle möglichen Aufgaben erfüllen können.

Roger Penrose stellt in den drei von ihm verfassten und unten angegeben Büchern die These auf, dass Menschen gegenüber Computern einen prinzipiellen Vorteil haben: ein Bewusstsein. Unser Bewusstsein und die damit verbundene Fähigkeit des Verstehens könnte es uns ermöglichen, Computern auferlegte Grenzen zu überschreiten. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass auch Bewusstsein eine Tages technisch nachgebildet werden kann, einstweilen scheint es aber den prinzipiellen Unterschied zwischen Mensch und Maschine darzustellen.

Jakob Gschwandtner (8A)

Quellen:

Lüdi, Greogr: Können Maschinen denken? http://www.natur-struktur.ch/ai/turingtest.html (Zugegriffen am 21.11.2016)

Penrose, Roger: Computerdenken. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaft 1991.

Penrose, Roger: Schatten des Geistes. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaft 1995.

Penrose, Roger: Das Große, das Kleine und der menschliche Geist. Heidelberg: Spektrum der Wissenschaft 2002.

Bild: http://www.natur-struktur.ch/ai/images/turing_chess1.png (Zugegriffen am 21.11.2016

Weiterführende Links:

http://www.natur-struktur.ch/ai/turingtest.html

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2016/11/27 von in Bewusstseinszustände, Unterricht.
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