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«Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.» Francis Picabia

Die Geschichte der Anna O. (Bertha Pappenheim)

Freuds berühmteste Patientin Bertha Pappenheim wurde am 27. Februar 1859 in Wien geboren und starb am 28. Mai 1936 in Neu-Isenburg. Sie war eine Frauenrechtlerin, Sozialpionierin und Gründerin des Jüdischen Frauenbundes.

Bertha war die dritte Tochter von Siegmund und Recha Pappenheim und wurde streng religiös erzogen. Im Sommer 1880 erkrankte ihr Vater an einer Brustfellentzündung, was zum Auslöser ihrer psychischen Krankheit wurde. Am Krankenbett des Vaters bekam sie plötzlich Halluzinationen und Angstzuständen. Auch andere Symptome wie Sprachstörungen – phasenweise sprach Bertha nur Englisch und war der deutschen Sprache nicht mächtig-, Neuralgien, Lähmungserscheinungen, Sehstörungen, Stimmungsschwankungen, Amnesien und Essstörungen traten auf.

image001Im Dezember 1880 begann Josef Breuer, ein Freund der Familie, sie zu behandeln. Er diagnostizierte Hysterie. Leichte Hypnose und das Erzählen ihrer Geschichten besserten ihren Krankheitszustand vorübergehend, doch ihr Gesamtzustand verschlechterte sich weiter. Die Behandlung musste immer wieder abgebrochen werden, da sie an heftigen neuralgischen Schmerzen litt und deswegen in Privatkliniken und Sanatorien überwiesen wurde. Gemeinsam mit seiner Patientin entwickelte Breuer eine therapeutische Technik, die er später als „kathartische Methode“ bezeichnete. Im Jahr 1895 veröffentlichten Breuer und Sigmund Freud gemeinsam die „Studien über Hysterie“. Die Krankengeschichte Bertha Pappenheims stellte Breuer hier unter dem Namen „Anna O.“ vor. Dieser Fall und seine Behandlung sein bis heute eines der berühmtesten Lehrbeispiele der Psychoanalyse.

Ob Bertha „geheilt“ wurde, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Ihre Biografin Marianne Brentzel meint, dass der „glückliche Ausgang der Erkrankung … unmittelbar nach Beendigung der Behandlung, den Breuers Bericht von 1895 vorspiegelt, … keinesfalls der Wahrheit“ entspräche. Fest steht, dass sich Bertha Pappenheim in späteren Jahren gegen die Anwendung psychoanalytischer Methoden zur Behandlung ihrer Waisenhaus-Kinder heftig verwehrt hat.

1888 zogen Mutter und Tochter Pappenheim nach Frankfurt. Bertha begann zu schreiben und noch 1888 erschien der Band „Kleine Geschichten für Kinder“, 1890 „In der Trödelbude“ und 1902 die Novelle „Ein Schwächling“.

Mehr und mehr beschäftigte sich Bertha Pappenheim mit den Zusammenhängen von sozialem Elend und Fürsorgearbeit. Ab etwa 1895 arbeitete sie im Israelitischen Frauenverein. Zwei Jahre später übernahm sie die Leitung des Mädchenwaisenhauses. In den 20-er Jahren setzte sie sich mit dem Problem des Mädchenhandels und der Prostitution jüdischer Frauen auseinander. Sie hielt Vorträge, organisierte Konferenzen und unternahm Studienreisen u. a. nach Palästina und Osteuropa. Die Ergebnisse ihrer Erhebungen veröffentlichte sie 1930 im Band „Sisyphus-Arbeit“.

Literaturtipps:

http://www.amazon.de/Studien-%C3%BCber-Hysterie-Sigmund-Freud/dp/3596260019/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1362417324&sr=8-2

http://www.amazon.de/Sigmund-Freuds-Leben-Bertha-Pappenheim/dp/3379200948/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1362418066&sr=1-1

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2013/03/04 von in Psychoanalyse.
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